Das Kloster und die Kreuzzüge

Die Frauenklöster lebten nicht so isoliert, wie es oft dargestellt wird. Sie bekamen wirtschaftliche und moralische Unterstützung vom Vaterkloster, Askeby vom Abt in Alvastra, aber für Askeby jedenfalls war die Unterstützung von mächtigen, weltlichen Männern und vom Bischof in Linköping von größerer Bedeutung. Wir finden auch ein deutliches Beispiel von Askeby, das zeigt, dass das Kloster sich in Fragen der höheren Politik engagierte.

Aus verständlichen Gründen ist über die Kreuzzüge ins Heilige Land im 12. und 13. Jahrhundert am meisten geschrieben worden. Im 14. Jahrhundert entwickelten sie sich allerdings zu einem Teil des politischen Lebens von Europa, nachdem verschiedene Programme dafür angenommen worden waren, die römisch-katholische Lehre in allen Teilen von Europa zu verbreiten und um der türkischen Expansion entgegenzutreten, so in Spanien, Preußen, den baltischen Ländern und in Russland. Beispielsweise unterstützte König Magnus Eriksson I. 1346 den Kampf gegen „Gottes Feinde, Türken oder Russen“, und um eine Kreuzzugsbulle nach Rom zu befördern, sandte er den Bischof von Åbo und den Abt von Alvastra dorthin.

Marinus de Fregenos sigillstamp, Historiska museet.
Stampen bär det påvliga vapnet – två korsade nycklar under en påvlig tiara.

Skandinavien gewann nach und nach immer größere Bedeutung für die Missionstätigkeit in Nordeuropa. Ein vereintes Skandinavien war ein wichtiger Partner, weshalb der Papst im 15ten Jahrhundert versuchte, in den Unionskonflikten zwischen Dänemark, Schweden und Norwegen zu vermitteln. Die türkische Expansion im Bereich des Mittelmeers führte so zu einem der großen Kulturschocks in der europäischen Geschichte – 1453 fiel Konstantinopel. Jetzt wurde es Ernst. Der päpstliche Legat markierte unter anderem bei einem eilig einberufenen Treffen in Regensburg 1454, dass Dänen, Schweden und Norweger am Ende der Welt leben und allein „Interesse für sich selbst“ hätten. Dies musste jetzt ein Ende haben.

Neben den politischen Verhandlungen starteten in den fünfziger Jahren des vierzehnten Jahrhunderts große Spendensammlungen in Skandinavien. Der Leiter der nordischen Kontakte, Marinus de Fregeno, ist dadurch identifiziert worden, dass er versehentlich seinen Siegelstempel im Kloster Roma liegen ließ oder vergaß. Mehrere Jahre lang führte er, oft mithilfe der Klöster, sehr umfangreiche Spendensammlungen in der Bevölkerung durch. Am 29. Mai 1462 sandte er einen Ablassbrief an die Äbtissin von Askeby, Anna Jacobi, mit Dank für die Unterstützung bei der Verteidigung gegen die Türken. Einen Monat später bedankte er sich aufs Neue, nicht nur bei der Äbtissin, sondern auch bei den 19 Nonnen, für ihren Beitrag zur Verteidigung des katholischen Glaubens. Der Historiker Janus Möller Jensen sieht im Buch Denmark and the Crusades. 1400-1650 (S. 102) diese Briefe als eine von vielen Bestätigungen dafür, dass die Klöster nicht isoliert, sondern in großen gesellschaftlichen Fragen engagiert waren.