
Der Tag in einem Zisterzienserkloster war genau strukturiert. Man lebte nach dem Prinzip Ora et labora, „Bete und arbeite“. Das bedeutete, dass die Nonnen ihre Zeit zwischen strikt formulierten Stundengebeten und täglichen Arbeitsaufgaben aufteilten. Zu ihrer Hilfe hatten sie anfangs Laienschwestern gehabt, Frauen, die nicht zu Nonnen geweiht worden waren, aber dennoch im Kloster wohnten. Dabei handelte es sich oft um Dienstmädchen, die die Schwestern aus höheren Schichten mitgebracht hatten, als sie ins Kloster gingen. Das System mit Laienschwestern war allerdings immer mehr im Schwinden begriffen, und gegen Ende des 15. Jahrhunderts waren auch die schwereren Arbeitsaufgaben in hohem Maß von den Nonnen selbst übernommen worden.
Die Gottesdienste, die den Rahmen für das Tagesprogramm bildeten, hatten in Askeby wahrscheinlich folgende Hauptbestandteile:
Stundenliturgie oder Stundengebete machten den Grund für den Tagesablauf der Klöster aus. Sie umfassten die Gebetszeiten Laudes, Prim, Terz, Sext, Non, Vesper und Completorium. Das bedeutet, dass die erste Gebetszeit gegen vier Uhr morgens eintraf, und dass der Tag mit dem Completorium ungefähr um 20 Uhr abgeschlossen wurde. Alle die Messen und Prozessionen, die ein Teil dieses Systems waren, erforderten auch in einem kleineren Kloster eine gut geplante Dienstordnung.
Die Tätigkeiten wurden an die Jahreszeiten angepasst, indem der Tag in sogenannte Temporalstunden eingeteilt wurde, was im Sommer längere Zeit für Arbeit und Gebete bedeutete und im Winter längere Nachtruhe. Die Klosterorden hatten unterschiedliche Traditionen. Da die kanonischen Stunden, die Stundenliturgie, von symbolischer Bedeutung waren, stimmten sie nicht immer mit der Uhrzeit überein. Bei den Mahlzeiten wurde regelmäßig vorgelesen. Gelesen wurden oft Legenden von Heiligen, und an diese Sitte erinnert uns auch das das Wort „Legende“ selbst, dessen lateinische Bedeutung eben „das, was gelesen werden soll“ ist. In dem französischen Film aus dem Kloster La Joie Notre-Dame de Campénéac in der Bretagne kann man das althergebrachte, strukturierte Leben in einem Kloster von heute miterleben.
Die Laudes oder Matutin
Das Morgengebet waren die Laudes oder die Matutin. Es fand kurz vor Sonnenaufgang statt und bestand aus Lobgesang für den neuen Tag.
Die Prim
Bei Sonnenaufgang folgte die Prim, zu der das Gebet für die Jungfrau Maria gebetet wurde. Nach der Prim versammelten sich die Nonnen unter der Leitung der Äbtissin im Kapitelsaal. Nach dem Gebet folgte unter anderem das Vorlesen eines Kapitels aus der Ordensregel und Bekanntmachungen verschiedener Art, unter anderem über Todesfälle im Orden. Danach griff die Äbtissin Fragen auf, die dem Alltag im Kloster galten, und jetzt verteilte sie die Arbeitsaufgaben des Tages. Dies musste auf eine gerechte Weise geschehen, bei der Kompetenz und Alter berücksichtigt wurden, denn hier ging es um alles, von Handwerk und Gartenarbeit bis zu Schreibarbeit und Feinnäherei.
Verschiedene Pflichten wurden auf angemessene Weise verteilt, zum Beispiel die der Torwächterin, der Gartenschwester, der Vorsteherin der Vorratskammer, der Krankenschwester, der Lehrerin usw. Die Küchenarbeit war schwer und umfasste nicht nur die Zubereitung des Essens, sondern wahrscheinlich auch die Verantwortung für die Wäsche. Die Küchennonne hatte außerdem eine noch größere Verantwortung, indem sie bei den Mittagsmahlzeiten auch für Gebet und Schriftlesung sorgen musste.
Terz und Morgengottesdienst
Zum Stundengebet der Terz, um neun Uhr, wurde an die Ausgießung des Heiligen Geistes und die Erlösung durch Christus erinnert.
Die Sext
Das nächste Stundengebet war die Sext um 12 Uhr.
Die Non
Drei Stunden nach der Sext folgte das Stundengebet Non.
Die Vesper
Beim Stundengebet Vesper, um 18 Uhr oder später bei Sonnenuntergang, wurde Dankbarkeit für den Tag ausgedrückt, der sich seinem Ende näherte.
Die Komplet
Bei der Komplet, dem letzten Stundengebet, wurde abwechselndes Vorlesen ausgeübt, wonach die Nonnen in Prozession die Treppe hinauf zum Schlafsaal schritten, dem Dormitorium, das von einer Kerze erhellt wurde. Dies sollte als die letzte sich täglich wiederholende Liturgie an Christus als das Licht der Welt erinnern.
