In dem Bogen, der die Grenze zum Nonnenchor bildete, hängt ein Bild des gekreuzigten Christus’. Der Bogen wird Triumphbogen genannt und das Bild der Kreuzigung ist ein sogenanntes Triumphkruzifix. Das Triumphkruzifix ist das wichtigste Kunstwerk der Kirche, und es ist von einem äußerst geschickten Holzschnitzer ausgeführt worden, wahrscheinlich zur Wiedereinweihung des Klosters 1444.






Die Gründer des Zisterzienserordens wandten sich gegen jede unnötige Ausschmückung des Kirchenraums, der von Einfachheit und Bescheidenheit geprägt sein sollte. Einzige Ausnahme waren Darstellungen der Kreuzigung. Sie hatten eine Sonderstellung, da sie zur Meditation über Jesu Leiden und Tod aufforderten. Der Körper Christi ist mit drei Nägeln ans Kreuz geschlagen, ein Nagel jeweils durch jede Hand und einer durch die zusammengebundenen Füße. Der Körper trägt keine Spuren von Geißelschlägen, aber auf dem Brustkorb findet sich eine große, blutige Wunde, verursacht durch die Lanze, die durch die rechte Seite gestochen worden war. Die Dornenkrone ist so fest hinuntergedrückt worden, dass das Blut an Kopf und Hals herunterläuft. Der Kopf ist zur Seite gefallen, der Mund halboffen, aber die Augen sind geschlossen.
Das Leiden Jesu Christi ist deutlich, aber beherrscht. In der Stilperiode, die wir Gotik nennen, hat man Christus immer als Toten abgebildet, oft mit starker Betonung des Leidens. Hier ist das Leiden allerdings abgeschwächt, der Körper schwebt beinah schwerelos. Es ist das Bild eines erhabenen Leidens.
Auf dem Kreuz, das aus späterer Zeit stammt, ist ein Schild mit dem Text I.N.R.I. befestigt. Das ist eine Abkürzung der lateinischen Worte I(esus) N(azarenus) R(ex) I/udaeorum), was Jesus von Nazareth, König der Juden bedeutet. Das Kruzifix ist mit sehr großer Sorgfalt und realistisch ausgeführt, abgesehen davon, dass das Gesetz der Schwerkraft aufgehört hat zu gelten. Der Körper Christi ist aus Walnussholz geschnitzt, wie auch die Nägel und der kurze, weiße Lendenschurz mit den goldenen Vierpässen. Die Dornenkrone ist aus demselben Stück geschnitzt wie der Kopf. Hinter dem Kopf ist ein blauer Heiligenschein mit Passionsblumen und goldenen Strahlen zu sehen. Das Kruzifix ist eine anonyme Arbeit, wahrscheinlich aus Flandern, und wird auf Mitte des 15. Jahrhunderts datiert.
