Der Physiker und Autor Peter Nilsson zeigt, dass das Weltbild des Mittelalters, das in den Klöstern gültig war, eine Gedankenkonstruktion ist, die große Bedeutung gewonnen hat. Die Gelehrten wussten bereits seit der Antike, dass die Erde eine Kugel war, aber die Kirche interpretierte ihr Weltbild mit der Bibel als Ausgangspunkt.


Hier wird von drei Weltteilen erzählt, von Asien, Europa und Libyen (Afrika). Noah hatte drei Söhne, Jafet bekam Europa, Sem Asien und Ham Libyen. Die Erde bestand hauptsächlich aus Festland, sie war rund und platt mit Jerusalem im Zentrum und Meeren an den Außenkanten. Die Himmelsrichtungen hatten eine große mythologische Bedeutung, so zeigte Nord z.B. auf kalte, heidnische Landflächen. Im Osten lag das Paradies der Erde auf einer Art utopischem, mauerumgebenem göttlichem Platz, den die Sintflut nicht überschwemmt hatte. Dort hatten die großen Weltströme Ganges, Nil, Euphrat und Tigris ihre Quellen, was durch die vier Wege im Klostergarten symbolisiert wurde.
Nilsson meint, dass ein sehr interessantes zusammenhängendes Gedankensystem geschaffen wurde, das in der europäischen Philosophie und Kultur große Bedeutung erlangt hat. Das Weltbild veranschaulichte nicht nur einen Raum, sondern illustrierte auch eine moralische Ordnung. Im Innersten des Universums war die Hölle. Der Mensch lebte auf der dünnen Erdoberfläche zwischen Himmel und Hölle.
In ihm drin befanden sich die Gegensätze des Daseins, er war Materie und Geist, er trug Sündhaftigkeit und Himmelssehnsucht in sich. Um die Erde herum gab es eine Anzahl Kristallsphären, die die Planeten trugen, die Sonne und den Mond. Es gab sieben Himmelskörper, die sich diesseits der Sterne bewegten. Die Zahlen drei, vier und zwölf waren wichtig. Gott war dreieinig und es gab drei Weltteile, es gab vier Evangelien und vier Jahreszeiten, sieben Sterne im Großen Bären, sieben Sakramente, sieben Kardinaltugenden, sieben Vaterunser, Christi Leiden hatten sieben Stadien und sieben Seligkeiten konnten gewonnen werden. Das Jahr hatte zwölf Monate, was den zwölf Aposteln entspricht. Aber die Frage, wo Gott sich befand, war unbeantwortet und wurde jahrhundertelang diskutiert.
