Die trauernde Maria

Am östlichsten Platz, dort, wo sich der Nonnenchor befand, steht ein Altarschrank mit einer Skulptur, die die trauernde Maria vorstellt. Christus ist vom Kreuz abgenommen und ihr in den Schoß gelegt worden. Maria umfängt seinen steifen und verwundeten Körper liebevoll und betrachtet ihn voller Liebe und Mitleid. Das Motiv, Pietà genannt, hat seinen Namen nach dem italienischen Wort für „Mitleid“ erhalten.

Med tårarna rinnande utmed kinderna betraktar Maria sin döde son.
Altarskåp med pietà. Nordtyskt arbete, tidigt 1400-tal.

Askebys Pietà ist eine norddeutsche Arbeit, aus Eiche skulptiert. Marias goldenes Kleid und weißer Umhang mit dem blauen Futter haben einen weichen, fließenden Fall. Ebenso fällt das weiße Kopftuch weich über ihr langes, offenes Haar. Diese innige Schilderung einer trauernden Mutter ist in dem beherrscht gefühlvollen Stil gestaltet worden, genannt „Weicher Stil“, der die spätgotische Stilphase in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts kennzeichnet.

Die Pietà hat ihren Platz in einem Altarschrank aus Kiefernholz, dessen ursprünglicher Sockel, Rückwand (Dorsale) und Dachpartie (Baldachin) noch erhalten sind. Die Eckpfeiler dagegen sind neu. Die Pietà wurde wahrscheinlich anlässlich der Wiedereinweihung 1444 angeschafft, um einen Marienaltar im Chor der Nonnen zu schmücken. Der Altarschrank hat zwei Falttüren gehabt, die sich über die Pietà haben schließen lassen.

In Östergötland gibt es fünf freistehende mittelalterliche Pietàskulpturen. Außer der hier beschriebenen haben die Kirchen in Herrestad, Klockrike, Kristberg und Åsbo eine Pietà aus ungefähr derselben Zeit wie Askeby. Von diesen fünf ist Askebys Pietà die am besten erhaltene, obwohl sie nicht immer so geschätzt wurde wie jetzt. Der Kulturhistoriker Nils Månsson Mandelgren entdeckte bei einer Inspektion der Kirche 1846, dass der Schrank unter dem Brennholz im Kirchschuppen lag. Im November 1864 beschloss die Gemeindeversammlung in Askeby, die Pietà, die als man „eine Skulpturarbeit, vorstellend Bilder von Jesus und Maria in einem sogenannten Altarschrank“ bezeichnete, der Antiquitätsakademie in Stockholm zu überlassen, der damaligen Entsprechung des Staatlichen Historischen Museums. Das war ein Beschluss, der glücklicherweise nicht zur Durchführung gelangte.