Die Kontakte mit vor allem der arabischen Welt in Spanien führten im Westeuropa des 12. Jahrhunderts durch die Universitäten zu einer intellektuellen Entwicklung, vor allem in Paris und Bologna. Die Form ihrer Kultur war reflektiv besinnend, wobei man Thesen der verschiedenen Wissenschaften prüfte. Die Klosterregel des Benedikt von Nursia (529) wurde im Mittelalter zur Grundlage von Literatur, Musik, Architektur, ja, von Kultur an sich. Die westliche Kirche bekam im Unterschied zur östlichen eine bildungsmäßige Prägung.
In den Klöstern, nicht zuletzt in den Zisterzienserklöstern, übte man verschiedene Arten von Meditation aus. Die Nonnen oder Mönche sollten bei stillem Lesen tiefgehend über die Bedeutung der einzelnen Wörter nachdenken. Auch bei der Arbeit mit Abschriften galt es für die Schreiberinnen und Schreiber, über den Inhalt nachzudenken und die Liebe zum Wort auszudrücken, indem man so kunstvoll wie möglich schrieb.
Es gab eine kleinere Bibliothek, die wahrscheinlich in einem Buchbehälter in der Sakristei untergebracht war. Die Zisterzienser waren nämlich keine „Bücherwürmer“. Bernhard von Clairvaux betonte, dass es ergiebiger war, Gottes Schöpfung in der Natur zu studieren, als Bücher zu lesen. Aber eine Reihe von Büchern, die in verschiedenen Gottesdiensten verwendet wurden, gab es selbstverständlich, so auch Benedikt von Nursias Ordensregeln aus dem sechsten Jahrhundert und Anweisungen verschiedener Art. Ein Priester aus Linköping spendete bei einer Gelegenheit Lesebücher, was vielleicht keine Gefühle der Dankbarkeit bei der Äbtissin weckte. Fremde Literatur konnte die liturgische Ordnung stören.
Ausgrabungen bei anderen Klöstern, unter anderen Alvastra und Vreta, zeigen, dass man im Mittelalter Lesen und Schreiben lernte, indem man es auf wachsüberzogenen Papieren mit einem Stylus, einer Art Stäbchen als Stift, übte. Als „Schmierpapier“ und Merkzettel wurde gewöhnlich Birkenrinde benutzt.
