Möglichkeiten und Begrenzungen

In unserer Arbeit wie auch in anderen Visualisierungsprojekten zeigen sich bald mehrere übergreifende und prinzipiell wichtige methodische Probleme, die noch nicht im tieferen Sinn behandelt worden sind. Sie müssen unbedingt analysiert werden, da diese Technik in immer mehr Fachgebieten üblicher wird.

Sie bietet große Möglichkeiten, historische Milieus und Geschehnisse auf neue Art zu schildern. Aber natürlich können wir die Wirklichkeit des 15. Jahrhunderts im Kloster Askeby nicht neu erschaffen. Probleme, die Faktenauswahl und Perspektive betreffen, gelten für alle Formen historischer Darstellungen, entstehen aber noch deutlicher in einem visualisierten Milieu. Die quellenkritischen Fragen nehmen immer mehr an Umfang zu, da jedes anschaulich gemachte Objekt in allen Einzelheiten beschrieben werden muss, um glaubwürdig zu sein.

Ein historisches Milieu korrekt zu zeigen und es gleichzeitig so lebendig zu gestalten, dass es Tätigkeiten und Leben schildert, ist die große Herausforderung. Da wir gleichzeitig Platz für das Programm und Kosten dafür berücksichtigen müssen, erfordert die Auswahl von Tatsachen äußerstes Feingefühl und äußerste Achtsamkeit. Jedes Objekt hat eigentlich ein eigenes Preisbild. Wir müssen uns auf die Gesamtheit fokussieren. Heben wir das technische Niveau eines Objekts, dann muss dies allgemein im gesamten Programm geschehen. Die Technik ist vorhanden, würde aber zu unangemessenen Kosten führen.

Die Auswahl der Perspektiven und der Tatsachen wird natürlich dadurch gesteuert, dass wir uns an mehrere Kategorien von Besuchern wenden. Wir führen eine „gesteuerte“ Führung durch Kloster und Kirche durch, was über die Voraussetzungen entscheidet. Besucherin und Besucher selbst können darüber hinaus aber die Kirchen im eigentlichen Sinn und im Computer verschiedene virtuelle Gegenstände und Milieus studieren. Dazu kommt ein ziemlich umfangreiches Computerprogramm, das über Kloster und Kirche in einer Anzahl neu verfasster Aufsätze berichtet.

Die Aufgabe besteht darin, mit Ausgangspunkt in verschiedenen Typen von Quellenmaterial ein so genaues Bild wie möglich aufzubauen. Mehrere Wissenschaftler und Computertechniker sind uns bei der Arbeit auf engagierte Weise behilflich gewesen.

Bei einer von Dr. Kjell Leijon veranstalteten Konferenz an der Universität Linköping 2006 mit Teilnehmern aus mehreren Fachbereichen der Universität, dem Zentralamt für Denkmalpflege, dem Provinzmuseum und anderen am Projekt Beteiligten, wurden die Ziele und Möglichkeiten der Visualisierung diskutiert.

Hervorgehoben wurde unter anderem, dass es nicht ausreicht, die Visualisierung ausgehend von unserer „vernünftigen“ Interpretation aufzubauen, sondern dass wir, in etwas, was wir „Visualisierungsprotokoll“ nennen können, unsere Stellungnahmen und in gewissen Fällen auch alternative Interpretationen deutlich angeben müssen. Ein visualisiertes Programm braucht nämlich kein Endprodukt zu sein, sondern kann sich entwickeln und verändern.