Es ist schwierig, die Geschichte der Altarborte von Askeby zurückzuverfolgen.
Im 17. Jahrhundert hielt man sie für eine Arbeit aus Askeby. Im Inneren der Kirche konnte man ein Antependium betrachten, das die Nonnen mit „Güte und Fleiß“ bestickt hatten, und auf der Altarborte, so heißt es, wurden mit großen „versenkten, silbernen Mönchbuchstaben Maria Hilf und dann alle Abbilder der Apostel“ gezeigt.
Anfang des 20. Jahrhunderts war das Interesse für Forschung in Kirchengeschichte im weiten Sinn groß, und in diesem Zusammenhang stieg das Interesse für Forschung im Bereich der kirchlichen Textilien. Die Textilkünstlerin Agnes Branting und der in Askeby wohlbekannte Andreas Lindblom meinten, dass die Altarborte von den Nonnen in Vadstena hergestellt worden sei. Ihre Argumente waren, dass Stilzüge, Ranken mit Blättern, mit Blumen, Weintrauben und so weiter mit einem Boden aus einfarbiger Seide an andere Kunstwerke erinnern, die dort hergestellt worden sind.
Die Textilforscherin Inger Estham meint allerdings, dass die Nonnen in Vadstena keine Textilien zum Verkauf hergestellt hätten, sondern dass die Produkte aus Vadstena in diesem Fall durch kirchliche Potentaten nach der Reformation verbreitet worden seien.
Genaue Antworten auf Fragen nach der Geschichte der Altarborte können wir nicht geben, sondern wir müssen hier wie in anderen Fällen bezüglich der Geschichte des Klosters mögliche Erklärungen aufzeigen, denn da Stickereien aus dem Mittelalter von ihren Meistern nicht signiert oder datiert worden sind, ist es schwierig, ihren Ursprung festzustellen. Inger Estham hält es auch nicht für wahrscheinlich, dass die Borte von den Schwestern in Askeby hergestellt worden ist. Die Arbeit ist nämlich hoch entwickelt, und es gibt keine Überreste aus Zisterzienserklöstern, die darauf hinweisen, dass man mit derartigen Stickereien arbeitete. Auch in internationalen Studien ist nirgends die Rede von hoch entwickelter Textilproduktion in Zisterzienserklöstern. Die Wappenfiguren würden auch kaum auf einer Klosterarbeit vorkommen können.
Eine glaubhafte Erklärung ist, dass sie in einer Werkstatt für Perlenstickerei hergestellt wurde, von einem Berufssticker oder einer Berufsstickerin. Vermutlich ist sie Mitte des 15. Jahrhunderts hergestellt worden, und Vieles deutet darauf hin, dass sie von den Adelsfamilien bestellt wurde, deren Wappenfiguren auf der Borte gestickt zu finden sind und dass sie bei der Neueinweihung der Klosterkirche 1444 oder um diese Zeit herum übergeben worden sein kann.
Kann sie im Ausland gestickt worden sein? Der Stil, in dem die Borte gestickt worden ist, Blumenranken u.Ä., war üblich im Schweden des 16. Jahrhunderts, kam aber in Europa früher vor. Kann sie gleichzeitig bestellt worden sein wie andere Kunstwerke der Kirche? Wir haben nämlich guten Grund zur Annahme, dass sie für Askeby gedacht war, weil die sieben Wappenfiguren lokal verankert waren und aller Wahrscheinlichkeit nach im Zusammenhang mit der Herstellung gestickt wurden.
In der Mitte der Stickerei findet sich, wie erwähnt, das Portrait Christi, umgeben von fünf zusammengeflochtenen Rahmen mit dem Text MARIA HILF. In den ersten Rahmen war ein b gestickt. Nach Branting/Lindblom bezieht es sich auf die letzte Äbtissin Botilde Petersdotter, was in diesem Fall bedeutet, dass sie im späten 15. Jahrhundert oder Anfang des 16. Jahrhunderts hergestellt sein müsste. Das ist allerdings nicht möglich, da die Altarborte mit großer Wahrscheinlichkeit zu einem früheren Zeitpunkt hergestellt worden ist.
Das b ist auch keine zeitlich gebundene Bezeichnung, sondern kommt auf mehreren anderen Stickereien vor und kann Beatifikation (Seligsprechung) bedeuten.
